Sommercamp 2015

Im August 2015 fahren 25 Jugendliche und 5 Betreuer/ReferentInnen für 2 Wochen auf die Insel Usedom zum Sommercamp. Die übergroße Mehrzahl sind Roma-Jugendliche aus den Flüchtlingsheimen (die meisten waren noch nie am Meer) und rd. ein Drittel sind Deutsche – „Biodeutsche“ und Jugendliche mit sog. Migrationahintergrund. Die 5-köpfige Betreuergruppe ist ähnlich gemischt. Organisiert und geleitet wird das Projekt vom Roma Büro Freiburg e.V. Für die Fahrt melden sich fast dreimal so viel Jugendliche an, wie wir mitnehmen können. Es ist eine schwierige Auswahl, die Unfrieden schafft. Die Gruppe organisiert den Alltag selbst und handelt dabei ständig untereinander das Zusammensein und Regeln dazu aus. Jede(r) hat verpflichtend halbtägig seinen Workshop: Video, Musik, Tanz, Kostüm/Maske, Logistik/Security. Und alle kaufen ein, kochen, reinigen der Reihe nach rundherum. Es braucht Zeit und es geht durch viele Konflikte ( zT bis in Gewalt) und durch grosses Durcheinander bis sich aus den Einzelnen und Grüppchen eine tragfähige Gemeinschaft herausbildet, die ihren Alltag für sich selbstbestimmt (in immer grösserer Freude und Freiheit) schafft – und es lohnt sich, es ist die Selbst-Erfahrung von Demokratie, für die Allermeisten das erste Mal „geglückt“ erlebt. Die erste Woche wohnen wir mitten in der „Denkmal-Landschaft Peenemünde“ - dem „Silicon Valley“ des II. Weltkrieges – und nähern uns in unterschiedlicher Weise (Workshop, Entwicklung von Rap Stücken, Museumsführung, Fahrradtour durch die Landschaft) den Zusammenhängen von Diktatur: Technikentwicklung und Menschenvernichtung. Mit einer großen Fahrradtour quer über die Insel fahren wir zu unserem zweiten Camport. Jetzt wohnen wir direkt an der Küste , genießen das Meer und entwickeln unseren Film.. Das Sommercamp Projekt steht unter dem Motto „Wie wollen wir Roma, Migranten- und deutsche Jugendliche miteinander in 10 Jahren zusammenleben?“ - es ist das vierte Sommercamp in Folge unter diesem Motto und als gemeinsames Produkt erarbeiten wir jedes Jahr einen Film: die Serie „Roma Invasion“. 2015 nehmen wir uns anhand der Fabel „Ameise und Grille“ die Existenzweisen-Frage eingebettet in die aktuelle Flüchtlingsproblematik vor. Herausgekommen ist ein Film mit wählbaren zwei Enden: einem guten und einem bösen.

Nach den zwei Wochen - keine(r) will zurück, manche Träne fließt; aber zurück-gekehrt in Freiburg wird der Laptop mit den Video und Tonaufnahmen offensicht-lich aus den Community-Kreisen, die nicht mitfahren durften, geklaut. Die Absicht – laut geäußert – ist, sich zu rächen und die Erinnerung an die schöne Zeit zu zerstören. Die Videoaufnahmen sind noch auf den Karten der Kameras, aber die Tonaufnahmen weg. Die Gruppe rafft sich auf und nimmt nochmal allen Ton insbesondere die vielen Musikstücke nochmal auf. Und es entsteht eine direkte Antwort auf den Klau: ein Rap (im Film im Abspann), der sich fürs Leben in Freiheit und gegen Kriminalisierung ausspricht.

Artikel aus der OstseeZeitung Aug. 2015